Krefeld am Niederrhein wird gern die „Stadt wie Samt und Seide“ genannt. Hinter dem Beinamen steht eine lange Geschichte: Sie reicht vom römischen Kastell Gelduba über die Seidenweber der Neuzeit bis zur Großstadt von heute. In diesem Beitrag lesen Sie die wichtigsten Stationen der Geschichte Krefelds und erfahren, welche Spuren davon Sie in der Stadt noch sehen können.
Die Anfänge: Das römische Gelduba in Krefeld-Gellep
Die Geschichte Krefelds beginnt lange vor der Gründung der Stadt. Im heutigen Stadtteil Gellep lag das römische Kastell Gelduba, das zum Niedergermanischen Limes am Rhein gehörte. Der Geschichtsschreiber Tacitus berichtet von einer Schlacht bei Gelduba im Jahr 69 n. Chr., während des Aufstands der Bataver. Nicht weit vom Kastell liegt eines der größten römisch-fränkischen Gräberfelder nördlich der Alpen. Die Funde, darunter das reich ausgestattete Grab eines fränkischen Fürsten, sind heute im Museum Burg Linn zu sehen.
Mittelalter: Erste Erwähnung und Stadtrechte
Unter dem Namen „Krinelde“ wird Krefeld im Jahr 1105 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt. Lange war der Ort nur ein kleines Dorf in der Grafschaft Moers. Im Jahr 1373 erhielt Krefeld von Kaiser Karl IV. die Stadtrechte. Eine bedeutende Stadt wurde es aber erst einige Jahrhunderte später. Aus dieser Zeit stammt auch die Burg Linn, eine der besterhaltenen Wasserburgen am Niederrhein. Sie ist bis heute eines der Wahrzeichen der Stadt.
Religiöse Toleranz als Motor des Aufstiegs
Von 1600 an gehörte Krefeld zum Haus Oranien, ab 1702 dann zu Preußen. In einer Zeit, in der viele Glaubensgemeinschaften verfolgt wurden, war die Stadt ein Ort der religiösen Toleranz. Mennoniten und andere Glaubensflüchtlinge ließen sich hier nieder und brachten ihr Können und ihren Unternehmergeist mit. Dieser Zuzug prägte die weitere Entwicklung der Stadt entscheidend.
1683: Krefelder gründen Germantown in Amerika
Ein besonderes Kapitel der Krefelder Geschichte spielt jenseits des Atlantiks. Im Jahr 1683 wanderten 13 Krefelder Familien mit dem Schiff „Concord“ nach Amerika aus. In der Nähe von Philadelphia gründeten sie Germantown, eine der ersten deutschen Siedlungen in Nordamerika. Bis heute gilt dieses Ereignis als Beginn der deutschen Einwanderung in die USA. In den Vereinigten Staaten wird daran jedes Jahr am 6. Oktober mit dem „German-American Day“ erinnert.
Samt und Seide: Die Blütezeit Krefelds
Im 18. Jahrhundert wurde Krefeld zur Stadt der Seide. Führend war die mennonitische Familie von der Leyen, deren Seidenmanufakturen vom preußischen Staat gefördert wurden. Friedrich der Große besuchte die Stadt mehrmals. Samt- und Seidenstoffe aus Krefeld wurden in ganz Europa verkauft, und die Stadt wuchs schnell. Aus dieser Epoche stammt das repräsentative Stadtschloss der von der Leyen, das heute als Rathaus dient.
1758 kam es im Siebenjährigen Krieg zur Schlacht bei Krefeld. Dabei besiegten die Truppen Herzog Ferdinands von Braunschweig ein französisches Heer.
Französische Zeit, Preußen und die vier Wälle
Von 1794 bis 1814 gehörte Krefeld zu Frankreich und lag im Département de la Roer. Nach dem Wiener Kongress fiel die Stadt 1815 an die preußische Rheinprovinz. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts plante der Baumeister Adolph von Vagedes eine klassizistische Stadterweiterung. Ihr Rahmen sind die vier Wälle (Ostwall, Westwall, Nordwall und Südwall), die das Bild der Innenstadt bis heute bestimmen.
Industrialisierung und Kultur im 19. und 20. Jahrhundert
Mit der Industrialisierung kamen zur Textilindustrie weitere Branchen hinzu, vor allem Stahl, Maschinenbau und Chemie. Das Bürgertum der Stadt förderte Kunst und Kultur. 1897 wurde das Kaiser Wilhelm Museum eröffnet. Ende der 1920er-Jahre baute der Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe für Krefelder Seidenindustrielle die Villen Haus Lange und Haus Esters. Beide sind heute Ausstellungshäuser für zeitgenössische Kunst.
1929 wurde Krefeld mit der Nachbarstadt Uerdingen zur Stadt „Krefeld-Uerdingen am Rhein“ vereinigt. Seit 1940 heißt die Stadt wieder nur Krefeld.
Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg wurde Krefeld schwer getroffen. Beim Luftangriff in der Nacht vom 21. auf den 22. Juni 1943 wurde ein großer Teil der Innenstadt zerstört. In der Nachkriegszeit wurde die Stadt wieder aufgebaut. Sie wurde zu einem wichtigen Standort für Industrie und Handel am Niederrhein. Der Chempark in Uerdingen gehört bis heute zu den großen Chemiestandorten in Deutschland.
Krefeld heute: Geschichte zum Erleben
Heute hat Krefeld rund 230.000 Einwohner und ist eine lebendige Großstadt. Wer die Geschichte der Stadt entdecken möchte, findet viele Anlaufstellen:
- Burg Linn und das Museum Burg Linn mit den Funden aus Gelduba
- Deutsches Textilmuseum in Linn, das an die Tradition von Samt und Seide erinnert
- Kaiser Wilhelm Museum sowie Haus Lange und Haus Esters
- Stadtschloss der von der Leyen, heute das Rathaus
- die vier Wälle und die historische Altstadt von Uerdingen am Rhein
Fazit: Eine Stadt mit Geschichte
Die Geschichte Krefelds zeigt, wie Offenheit und Unternehmergeist eine Stadt prägen können. Vom römischen Kastell über die Seidenmanufakturen bis zum Bauhaus erzählt Krefeld eine Geschichte, die weit über den Niederrhein hinaus Bedeutung hat. Ein Besuch in der Samt- und Seidenstadt lohnt sich für alle, die sich für Geschichte, Architektur und Kultur interessieren.